Finde die Bombe
September 6, 2002 | Filed Under Travel |Mit den ersten Sonnenstrahlen betrat ich den Flughafen von Singapur. Alles ist total rein, man sieht überhaupt keinen Müll rumliegen. Das kann aber auch daran liegen, dass es noch recht früh war und es noch nicht so viel Betrieb gab. Ich begab mich als erstes auf die Suche nach meinem Weiterflug nach Sydney. Nach 20 Metern kam ich bereits zu einem Auskunftsbildschirm (Daran sollte sich der Frankfurter Flughafen mal ein Beispiel nehmen!). Also zum entsprechenden Fluggate gelaufen und festgestellt, dass das Gate vollkommen leer war und erst um 8:30 Uhr öffnet. Der Flughafen von Singapur hat den großen Vorteil, dass man dort locker einen ganzen Tag verbringen kann: von trivialen Dingen, wie duschen, essen in Restaurants, einkaufen in einer Vielzahl von Läden bis hin zu exotischen Sachen, wie surfen über Wireless-Lan, Sauerstoffzelte, spazierengehen in einem botanischen Garten und Filme in Kinos ansehen, kann man hier locker seine Wartezeit verbringen. Andi hatte mir noch den Tip gegeben, Schwimmsachen einzupacken, da es auch einen Pool gab. Also zum Informationsstand und gefragt, wo der Pool ist. Der Pool befindet sich in der “Health - und Beautyarea”. Dazu muß man allerdings aus dem Flughafen ausreisen und in Singapur offiziell durch den Zoll gehen um dann in ein anderes Terminal zu kommen. Zur Sicherheit fragte ich die Zollbeamtin, ob ich auch wirklich wieder in einer Stunde ausreisen konnte, was mir mit einem Lächeln bestätigt wurde. Eine Skytrain (vollkommen automatisiert) zum anderen Terminal genommen und auf die Suche nach dem sagenumwobenen Pool gemacht. Ich habe zwar eine Menge gefunden, der Pool ist mir aber leider verborgen geblieben. (Der Pool befindet sich übrigens im Terminal 1, Lebel 3, rechts hinter dem Transit Hotel) Da sich die Uhr langsam auf 8:30 Uhr zu bewegte, beschloß ich wieder mit der Skytrain in das andere Terminal zu fahren, aus Singapur auszureisen und für meinem Flug nach Sydney einzuchecken. Das verwaiste Gate hatte sich inzwischen mit einer Vielzahl von Menschen und einer langen Schlange gefüllt. Eigentlich wollte ich nur nach einem Fensterplatz fragen, aber das ging nur mit Warten und dem Passieren der Sicherheitskontrolle. Hier ist zum ersten Mal mein Laptop aufgefallen, dass ich nach einem intensiven Check wieder zurückbekam. Am Transferschalter bekam ich neben einer Einreisekarte für Australien tatsächlich noch einen Fensterplatz. Da ich das ganze Sicherheitsprozedere nicht nochmal durchlaufen wollte, wartete ich die restliche Zeit in der Lounge. Der Flug nach Sydney war wesentlich voller, die Wartelounge war extrem voll. Ich habe in Flugzeugen immer das Talent mich auf falsche Plätze zu setzen. Diesmal ging es sogar soweit, dass jemand seinen Fensterplatz freiwillig für mich räumte. Kurz vor dem Abflug ist mir dann doch noch aufgefallen, dass eine Reihe vor mir 2 Plätze frei waren, während meine Reihe voll besetzt war. Also Flugreihe gecheckt, Irrtum bemerkt und Platzwechsel vollzogen. Zwar hatte ich somit nicht eine ganze Reihe für mich, aber immerhin den Mittelsitz um die Beine auszustrecken.
Pünktlich um 9:30 Uhr verließen wir mit einer Flugzeit von 7 Stunden Singapur in Richtung Sydney. Inzwischen war ich mit den Bordmöglichkeiten von Singapore Airlines bestens vertraut, das Filmangebot war das gleiche wie auf dem vorherigen Flug und so entschied ich mich die restlichen Filme und Serien noch anzusehen. Der Flug war recht unspektakulär, wir flogen über 3 Stunden über die “rote Wüste” von Australien, die vergangenen Flugstunden machten sich so langsam bei mir bemerkbar und ich war froh, als Sydney auf dem Bildschirm immer näher kam. Kurz vor der Landung kam dann eine Durchsage vom Piloten, dass wir zwar eine Landeerlaubnis für Sydney erhalten haben, aber das Flughafenterminal aus unbekannten Gründen in Sydney geschlossen wurde und wir uns auf eine längere Wartezeit einstellen sollten. 5 Tage vor dem 11. September gingen mir natürlich sofort die verschiedensten Gedanken durch den Kopf, aber ändern konnte ich ja eh nichts. Mit einer halben Stunde Verspätung landeten wir schließlich in Sydney. Es dämmerte schon langsam, was mich natürlich etwas überraschte, da ich von Deutschland noch längere Tageszeiten im Gefühl hatte. Wir rollten zu einer Position auf dem Landefeld und warteten erstmal eine halbe Stunde. Dann gab es neue Nachrichten vom Piloten. Es hatte eine ernstzunehmende Bombendrohung gegeben, woraufhin das komplette internationale Terminal evakuiert und geschlossen wurde. Nach einer weiteren viertel Stunde kam dann die Nachricht, dass wir zum nationalen Terminal gezogen werden und dort auschecken würden. Ich beobachtete die wartenden Flugzeuge auf dem Rollfeld und zum Glück hatte ich noch die Kopfhörer vom Antiflugschallgerät, so dass ich noch weiterhin das Kriss-Entertainment Programm schauen konnte. Nach 15 Minuten wurden wir dann zum nationalen Terminal geschleppt. Draußen war es absolut menschenleer. Ab und an fuhren die üblichen Flugzeugfahrzeuge auf dem Rollfeld, aber ansonsten waren keine Aktivitäten zu bemerken. Es vergingen weitere 15 Minuten, in denen jemand gefunden werden musste, der die Gangway bedient. Tja, wie sich herausstellte war die Gangway zu der 747 nicht kompatibel, so dass man eine Rolltreppe organisieren musste. Nach einer weiteren halben Stunde fand sich dann eine Rolltreppe. Endlich! - Dachten ich und die meisten Passagiere. Das Problem war nun, dass man zu der Rolltreppe auch einen Bus benötigt, der uns zum Terminal bringt. Die Steward(essen) servierten seit 1,5h Stunden Getränke und den meisten war nach der langen Zeit auch nicht mehr nach Lächeln zu Mute. Der Handywahn war inzwischen ausgebrochen und die meisten kümmerten sich nicht mehr um das Benutzungsverbot an Bord, so dass alle paar Sekunden von irgendwo der neue-Nachrichtenton zu hören war. Der Pilot meldete sich von Zeit zu Zeit und nach einer weiteren halben Stunde bekamen wir dann die Nachricht, dass der logistische Aufwand uns durch die Einwanderung zu bekommen, zu groß ist. Das internationale Terminal würde aber in kurzer Zeit wieder eröffnet werden. Wir warteten also weiter. Irgendwann wurden wir dann schließlich zum internationalen Terminal zurückgezogen, das angekündigte Gate wurde dann noch kurzfristig geändert, wofür sich der Pilot entschuldigte.
Gegen 10:00 Uhr abends wurden wir dann endlich aus der Maschine gelassen. Im Flughafen angekommen, kamen dann ständig Lautsprecherdurchsagen, dass man Geduld haben sollte, der Transport in die Stadt würde momentan wieder aufgenommen und man sich auf längere Wartezeiten für ein Taxi einstellen sollte. Bei der Einwanderung musste ich keine lächerlichen Fragen, ala “Sind sie ein Terrorist? Sind sie ein Drogenhändler? Sind sie ein Waffenschmuggler? etc.” beantworten. Ich bekam meinen Stempel und mit den Worten “Have a nice day” ging es dann zur nächsten Station, der Gepäckrückgabe. Hier drängelten sich gut und gerne über 1000 Leute an 4 verschiedenen Gepäckbändern. Nach einiger Zeit rechnete ich schon nicht mehr damit mein Gepäck zurückzuerhalten, aber nach einer halben Stunde kamen Koffer und Reisetasche mehr oder weniger unversehrt endlich an mir vorbei. Dann ging es ab durch den Zoll. In Singapur hatte ich ja eine Einreisekarte bekommen, wo ich einige Dinge zu mitgebrachten Essen, Pflanzen und Tieren ankreuzen musste. Ich hatte eigentlich noch 2 Äpfel aus Deutschland dabei, aber nach den 3 Stunden Wartezeit konnte ich auch diese Frage mit einem Nein beantworten. Ich stellte mich also brav in die Reihe an und natürlich wurde in meinem Gepäck doch noch etwas gefunden. Die 250 Dollar Strafe wurde mir aber glücklicherweise erlassen. Inzwischen war es schon 11:00 Uhr abends und ich machte mir Gedanken, ob ich noch in mein Zimmer kommen würde. Also erstmal australisches Kleingeld durch den Kauf eines Donuts besorgt und dann die Telefonnummer meines Apartments angerufen. Zum Glück meldete sich noch jemand und wie sich herausstellte, sollte das Gebäude 24h geöffnet sein. Also weiter zu den Taxis und natürlich noch mal gewartet. Beim einsteigen habe ich mich natürlich prompt als Überseeler entlarvt, da ich zielgericht zur rechten Seite des Autos einsteigen wollte. Die erste Bewährungsprobe in einem anderssprachigen Land ergibt sich in der Regel durch ein Gespräch mit dem Taxifahrer. Durch die Bombendrohung hatten wir natürlich einiges an Gesprächsstoff und erstaunlicherweise funktionierte der Übersetzungsteil in meinem Hirn noch einigermaßen gut, so dass eine halbwegs sinnvolles Gespräch entstand. Der Taxifahrer zeigte mir noch einige Restaurants und Fastfoodläden in der Gegend. Als wir vor der Apartmentanlage ankamen, warnte er mich noch vorsichtig in der Gegend zu sein, was mich natürlich sehr beruhigte. Ein Obdachloser verschwand gerade in dem Moment aus dem Straßenlicht in das Dunkel der Nacht. Wir luden meine Koffer aus und ich klingelte an der Tür, da das Vorzimmer nicht besetzt war. Allerdings tat sich nichts. Noch war ich zuversichtlich, dass jeden Moment jemand kommen würde und so machte sich der Taxifahrer auf die Weiterfahrt. Wenn ich eines an diesem Abend gelernt hatte, dann war es, zu warten. Ich wartete weitere 10 Minuten und endlich kam jemand. Es war allerdings nur ein Gast, aber so kam ich zumindest schon mal in das Innere des Gebäudes. Ich wartete weiter und schließlich kam jemand vom Hotel. Da ich nach der ganzen Warterei ziemlich hungrig war, fragte ich nach einem Restaurant, aber auch hier bekam ich wieder die Warnung, besser nicht mehr auf die Straße zu gehen. Tolle Gegend dachte ich. Ich bekam noch die Nummer von einigen Pizzadiensten, die allerdings alle schon zu hatten. Mit einer Schlüsselkarte und meinem 40KG Gepäck begab ich mich auf die 2. Etage und landete schließlich in meinem Zimmer. Nach einer ausgiebigen Dusche, einem Tee und dem Donut machte ich es mir in meinem queensizebett gemütlich und bekam nach 30 Stunden endlich Schlaf.